Crashkurs in Schwimmbadwasserpflege

ChlortablettenAls Kind hatte ich einmal ein Mikroskop bekommen. In der Bedienungsanleitung gab es eine Reihe Vorschläge, was ich betrachten könnte. Unter anderem waren da die Mikroorganismen aus Wasser empfohlen. Dazu sollte ich ein Glas mit Wasser füllen und es einfach ein paar Tage stehen lassen.
Ich hab’s getan. Was dabei passiert ist, brauche ich Ihnen vermutlich nicht zu erzählen, weil das jeder kennt.
Genau das Gleiche, was damals in meinem Wasserglas passierte, ereignet sich in jedem Schwimmbad, nachdem es frisch gefüllt wurde.
Durch die stetige Erwärmung gast die im Füllwasser enthaltene Kohlensäure aus. Das hat zur Folge, dass der pH-Wert steigt.
Die Mikroorganismen, die schon beim Einlassen des Wassers mit kommen sowie der zusätzliche Schmutzeintrag durch Umwelt und uns badende Menschen lösen chemische Reaktionen aus, die früher oder später dazu führen, dass das Wasser erst trüb und dann grün wird. Danach tummeln sich deutlich sichtbare Kleinstlebewesen in Massen im Pool.
Damit das nicht passiert, haben Generationen von schlauen Köpfen geforscht und experimentiert und Pflegesysteme vom Feinsten entworfen.

Das A und O der Wasserpflege ist der pH-Wert des Wassers. Dieser wird idealerweise auf 7,1 bis 7,3 eingestellt.
Ist er zu hoch (das Wasser also alkalisch), fällt der im Wasser enthaltene Kalk aus und lagert sich im Becken, in den Rohrleitungen und auch im Filter ab, ist er zu niedrig (saures Wasser), wird das Wasser aggressiv gegen sämtliche Metalle. Je mehr der pH-Wert nach oben vom Ideal abweicht, desto wahrscheinlicher sind Hautirritationen und Augenreizungen.
Ein weiterer Effekt ist, dass die Wasserdesinfektionsmittel ihren optimalen Wirkungsgrad bei niedrigem pH-Wert entfalten. Das bedeutet im Klartext: Je höher der pH-Wert desto mehr verschwenden Sie Chemikalien.
pH_SenkerDeshalb: Beim Wassercheck immer zuerst den pH-Wert prüfen und richtig einstellen.
Das geschieht mittels Zugabe eines pH-Wert-senkenden Mittels (einer Säure), welche entsprechend der Abweichung vom Soll genau dosiert werden kann.

Stimmt der pH-Wert, erfolgt die Desinfektion.

Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Die am häufigsten genutzte und zugleich preiswerteste Methode verwendet Chlor. Chlor gibt es in flüssiger Form oder als Tabletten, häufig noch mit anderen Wirkstoffen beigemischt.
  • In Gartenbädern wird gerne Aktivsauerstoff genutzt, weil der geruchlos ist. Ganz ohne Chlor kommt diese Art der Desinfektion jedoch nicht aus – gelegentliche Schockchlorungen dann, wenn die Algen sich einmal durchgesetzt haben, sind die Alternative zu einem Wasserwechsel.
  • In Hallenbädern ist eine Desinfektion mit Ozon möglich. Diese Variante erfordert ein Gerät, welches laufend Ozon produziert und zusätzlich ein sog. Depot an Desinfektionsmittel im Beckenwasser, wofür man gerne Brom nimmt.
  • Auch Brom ist eine mögliche Desinfektionsvariante. Es wird in Deutschland recht selten benutzt, wohl auch aus Preisgründen.

Ist der pH-Wert in Ordnung und ausreichend Desinfektion vorhanden, ist der Pflicht der Wasseraufbereitung Genüge getan.

Zur Kür gehören – je nach Bedarf:

  • Zusätzliche Algenprophylaxe,Flockung
  • Flockungsunterstützung. Damit sind Mittel gemeint, welche sog. Kolloidale Trübstoffe (Mikroorganismen, welche so klein sind, dass die Filteranlage sie nicht erwischt) für die Filterung zu größeren Flocken zusammen „binden“.
  • Härtestabilisatoren

Hier nochmal eine Zusammenfassung der Basics der Schwimmbadwasserpflege:
1. pH-Wert regulieren
2. Desinfizieren
3. Sonderfallbehandlung

Der Check einmal pro Woche ist ein guter Rhythmus. Als kompletter Neuling kann auch ein 2-tägiger Rhythmus mit Aufschrieb aller Messwerte und Zugaben für eine Zeitdauer von 2-3 Wochen sinnvoll sein. (Sie können damit nachverfolgen wie Ihr Wasser reagiert).
Dazu gibt es Testtabletten, welche, im Schwimmbadwasser aufgelöst, entsprechend der Messergebnisse die Farbe ändern.
Im Laufe der Zeit werden Sie ein Gefühl für Ihr Wasser entwickeln und Ihre Routine entsprechend anpassen.

Natürlich kann man die komplette Wasserpflege automatisieren.
Darüber schreibe ich in einem anderen Artikel.

 

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